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Gedanken zur Einfachheit – zurück zum Wesentlichen

Lesezeit: 2 Minuten

Auszug vom 11. März 2010 aus meinem Buch: Schlaflos in der Regenzeit

(…)

Die höhere Geschwindigkeit lässt mich vielfältiger sehen, doch vielleicht kann ich deshalb das Wesentliche viel schwerer erfassen. Plötzlich frage ich mich, ob nur ich durch mein Leben rase, oder ob auch mein Leben an mir vorbeirast und wir beide vielleicht so schnell sind, dass wir uns gar nicht begegnen.

Das Leben hält mir einen Spiegel vor. Das Tempo, mit dem ich durch mein Leben fliege, und der Dauerlauf meiner Gedanken lassen mich innehalten.

Die Einfachheit fragt beinahe vorwurfsvoll, warum ich so viel mehr benötige als die hier in den Anden lebenden Menschen besitzen: Eine kleine Hütte aus Holz, eine Küche, ein Bett. Früchte und Gemüse aus dem eigenen Garten und eine Toilette am anderen Ende des Grundstücks. Die Aussicht steht im Kontrast zum kleinen Eigentum – unendliches Terrain. Von wenigen Augen betrachtet, von den betrachtenden Augen bewundert.

Außer Luxus scheint es alles zu geben. Oder ist vielleicht gerade das der wahre Luxus?

Wenig zu haben und doch alles zu besitzen?

Einfach zu leben, aber den Lebenssinn nicht über die Materie zu definieren?

Abgeschieden zu leben, aber das Alleinsein aushalten können?

Leere zu erfahren, aber das Nichts-Tun noch als Tun empfinden können?

Den Tönen der Welt nicht zu lauschen, aber die innere Stimme zu vernehmen?

Den eigenen Weg gehen können, da kein Fremder die Gleise stellt.

Frei zu sein von dem Streben nach Größerem.

Nicht Teil einer Gesellschaft zu sein, die Angst vor dem Versäumen hat und sich mit ihrem eigens auferlegten Leistungsdruck selbst erdrückt.

Die Dunkelheit nicht einfach durch einen Lichtschalter ausschalten zu können, aber im Einklang mit der Natur zu leben?

Ist das der größere Reichtum? Das Tor der modernen Welt nur von außen zu betrachten und nicht durch es hindurchzuschreiten? Bei Blicken in die ruhenden Gesichter am Straßenrand glaube ich, dass ein mittelloses Leben mit immaterieller Fülle wertvoller ist.

Ohne Mails, die stillschreiend klagen, dass sie schneller beantwortet werden wollen – einzig im Gespräch mit sich selbst.

Keine Bürokratie – aber Träume in die Luft malen.

Kein materieller Überfluss – der Blick ist frei für das Wesentliche.

Kein Haschen nach Wind, kein Verschwenden der Stunden, kein Streben nach immer mehr, immer größer, immer schneller.

Keine endlosen To-Do-Listen, kein Überangebot, kein Zeitdruck.

Einfach sein, um zu Sein.

Einfachsein, um einfach zu Sein.

Ist das dann Langeweile? Sinnlosigkeit? Einsamkeit?

Oder Achtsamkeit, Erfüllung, der Sinn?

Doch was schreibe ich… Inmitten der Einfachheit versteckt sich vermutlich die Armut, die ich nur von außen erlebe, aber nicht von innen erfahre. Ich fühle mit, aber ich muss sie nicht spüren. Ich bin mittendrin und doch nie mehr als eine Zuschauerin. Wann immer ich möchte, kann ich die Bühne verlassen, denn ihr Labyrinth hält mich nicht gefangen. Es ist mir nicht erlaubt, die Faszination für die Ursprünglichkeit zu romantisieren – ich darf nicht urteilen!

(…)

Auszug aus meinem Buch Schlaflos in der Regenzeit.

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