Vor einiger Zeit habe ich eine Geschichte auf meinem Blog veröffentlicht. Sie erzählt von einem erschöpften Holzfäller, der seine Zeit und Kraft verschwendete, weil er mit einer stumpfen Axt arbeitete. Ich habe sie geteilt, um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, die eigenen Batterien aufzuladen.
Genau diese Geschichte kam mir neulich wieder in den Sinn, als ich mit einer Coaching-Klientin sprach, die wegen anhaltender Erschöpfungszustände zu mir kam. Denn wenn wir uns in Selbstfürsorge üben, tappen wir beim Thema Batterien-Aufladen oft in eine Falle:
Selbstfürsorge und Kraftquellen sind nicht dasselbe
Lange Zeit habe ich die Begriffe Selbstfürsorge und Kraftquellen synonym verwendet und alle Punkte unter einem Sammelbegriff zusammengefasst: Dinge, die uns guttun. Auch in meinen Achtsamkeitsseminaren fällt mir auf, dass die meisten Menschen diese Begriffe mischen.
Die Erkenntnis, dass Selbstfürsorge und Kraftquellen nicht dasselbe sind, ist sehr hilfreich, um im Alltag zu erkennen, was wir wirklich brauchen, und somit gut mit unseren Ressourcen umgehen zu können.
Was ist Selbstfürsorge und was sind Kraftquellen?
Wenn wir uns das Leben wie ein Haus vorstellen, dann ist Selbstfürsorge das stabile Fundament samt wasserdichtem Dach und funktionierender Heizung. Es schützt vor Sturm und Kälte und sorgt für Sicherheit.
Unsere Kraftquellen zu leben, stünde hingegen für die Einrichtung, die Bilder an der Wand, das Einladen von lieben Menschen. Erst die Kraftquellen machen das Haus lebendig, gemütlich und warm.
Selbstfürsorge vs. Kraftquellen
Der Unterschied auf einen Blick
Selbstfürsorge ist die Basis. Es geht dabei um das Erfüllen von Grundbedürfnissen, die Regulation des Nervensystems und das konsequente Setzen von Grenzen, um das eigene System vor Überlastung zu schützen. Es ist das bewusste Kümmern um das eigene ganzheitliche Wohlbefinden – z.B. durch ausreichenden Schlaf, regelmäßige Pausen oder eine gesunde Ernährung.
Das Hauptziel der Selbstfürsorge ist der Schutz, Erhalt und die Regeneration der persönlichen Ressourcen. Vom Charakter her ist sie oft präventiv, bedürfnisorientiert und manchmal auch unbequem – etwa, wenn es darum geht, klare Grenzen zu setzen. Letztlich ermöglicht diese Basis die nötige Stabilität und Resilienz im Alltag.
Kraftquellen sind Menschen, Orte, Aktivitäten oder Dinge, die uns aufladen und positive Energie bringen. Sie fördern unsere persönliche Entfaltung und schenken uns Lebensfreude, Inspiration sowie ein Gefühl von Lebendigkeit. Dazu zählen z.B. ein Ausflug in die Natur, Musik, Sport, ein kreatives Hobby oder ein anregendes Gespräch. Mehr zum Thema Kraftquellen erfährst du in diesem Artikel.
Hier sind 20 Beispiele, wie Selbstfürsorge im Alltag aussehen kann:
Selbstfürsorge: Liste und Beispiele
- Auf ausreichend Schlaf achten
- Sich gut und gesund ernähren
- Ausreichend trinken
- Abends etwas für den nächsten Tag kochen
- Ruhe und Stille suchen
- Zeit allein verbringen
- Unverplante Zeit zulassen
- Sich bewusste Pausen im Alltag nehmen
- Sich von toxischen Situationen distanzieren
- Den eigenen Rhythmus leben
- Nein sagen
- Um Hilfe bitten und Aufgaben abgeben
- Keine Arbeitsmails nach 18 Uhr lesen oder beantworten
- Finanzen und Dokumente ordnen
- Arzt- und Vorsorgetermine wahrnehmen
- Sich Zeit für Körperpflege nehmen
- Wäsche waschen, das Bett frisch beziehen
- Sich Wellness gönnen
- Entspannungstechniken anwenden
- Selbstmitgefühl üben
- ...
Was Selbstfürsorge im Alltag bedeutet
Oft wird Selbstfürsorge etwas romantisiert dargestellt. Doch Selbstfürsorge kann auch mal unbequem sein, wenn wir zum Beispiel für unsere Grenzen einstehen und nein sagen. Aber auch das können wir lernen.
Selbstfürsorge fragt nicht zwingend: Was macht mir jetzt am meisten Spaß?
Sie fragt: Was brauche ich jetzt gerade, um gesund und stabil bleiben zu können?
Selbstfürsorge ist das leise, beständige Sorgen für sich selbst. Es ist der notwendige Rahmen, den wir brauchen, damit wir die Kraft haben, das Leben zu genießen und die Kraftquellen zu leben. Selbstfürsorge ist nie abgeschlossen, sie bedarf unserer täglichen Achtsamkeit.
Erlaube dir das Nichtstun
Das Problem? Wenn uns das Fundament fehlt – also die grundlegende Selbstfürsorge – haben wir oft überhaupt keine Energie für unsere Kraftquellen.
Deshalb steht in manchen Lebensphasen schlicht und ergreifend das Aufladen des Akkus im Mittelpunkt. Das Ziel ist dann nicht, die Schönheiten und Möglichkeiten des Lebens zu genießen oder den Kalender zu füllen. Es zählt einzig und allein, wieder zu Kräften zu kommen. Manchmal reicht nur ausruhen. Ruhen, liegen, ein Bad nehmen – Energie tanken, anstatt sie mit zu vielen (Inter)aktionen zu verbrauchen. Das dürfen wir uns inmitten unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft zugestehen. Es braucht das Gespür für uns selbst und das Wissen, was wir tun können, um schließlich gut auf uns achten und für uns sorgen zu können.
Selbstfürsorge bedeutet Selbstwahrnehmung
Selbstfürsorge bedeutet zunächst: Das Lebenstempo und die Anzahl der Reize zu reduzieren, um die Signale des Körpers und die Botschaften der Seele wahrnehmen und auf sie eingehen zu können.
Selbstfürsorge ist wichtig.
Wenn wir nicht für uns sorgen, wer dann?
Selbstfürsorge gelingt nur durch uns selbst – das verrät schon der Name – und ermöglicht, dass wir alles andere mit Freude, Energie und Offenheit erleben können.
(Auszug aus meinem Buch Verlauf dich nicht)
Selbstfürsorge lernen: 3 Tipps für Selbstfürsorge im Alltag
Hier sind drei kleine Schritte mit großer Wirkung:
1.) Kurzer Check-in
Halte mehrmals am Tag inne und stelle dir die Frage: „Was brauche ich gerade?“
2.) Weniger ist mehr
Nimm dir nicht zu viel vor. Wähle zunächst ein oder zwei Punkte der Liste aus, die du umsetzt – z.B.: „Ab heute schaue ich nach 18 Uhr nicht mehr in meine E-Mails.“
3.) Körperwahrnehmung
Der Kopf redet uns manchmal ein, dass wir nur noch schnell etwas erledigen müssen, ehe wir uns ausruhen dürfen. Doch der Körper weiß es meist besser. Achte auf die ersten leisen Signale wie einen flachen Atem, Nackenverspannungen oder hochgezogene Schultern – und reagiere mit einer Pause darauf, lange bevor der Akku leer ist. Woran du noch merkst, dass du dringend eine Pause benötigst, verraten dir diese Signale.
Zeit für deine Selbstfürsorge – meine Achtsamkeitskurse
Wissen allein reicht oft nicht aus, um alte Muster zu durchbrechen. In meinen Achtsamkeitskursen üben wir genau das, worum es in diesem Artikel geht: Es braucht das Gespür für uns selbst und das Wissen, was wir tun können, um schließlich gut für uns zu sorgen. Du lernst, zu erkennen, was du wirklich brauchst, um somit liebevoll mit dir und gut mit deinen Ressourcen umzugehen.
Hier findest du alle Infos und Termine zu meinen Seminaren





























